Impulse | Bewusstseinstraining von Daniela Große

Bewusster Umgang mit Demenz der Eltern

Wenn Dein Elternteil in eine Demenz geht, dann findest Du heraus, warum Deine Kindheit war, wie sie war: denn Du begegnest durch die Auseinandersetzung mit der Demenz den Themen, die Dein Elternteil zu dem Menschen gemacht haben, den Du kennen gelernt hast. Gelingt es Dir, die Themen, die Dich triggern zu vergeistigen und Dich dadurch triggerfrei Deinem Elternteil zuzuwenden, zieht eine Liebe in Dein Leben ein, die das ganze Familiensystem heilt.

Liebes Du,

zu beobachten, wie ein Elternteil in eine Demenz hinein und dann hindurch geht, ist ein beunruhigender Prozess – weil alles so nah ist. Gleichzeitig ist dieser Prozess auch mit der Möglichkeit zu tiefer innerer Heilung, zu Aussöhnung und zu Vergebung verbunden – mit Auswirkungen auf die ganze Familie.

Wenn Du mit hochsensiblen Sinnen durch Dein Leben gehst, dann wirst Du früher als andere in Deiner Familie bemerken, wenn ein Elternteil sich in Richtung Demenz bewegt. Es sind so kleine Dinge, wie ein immer häufiger auftretendes Lachen an der falschen Stelle; das immer deutlicher werdende Ausweichen vor angstmachenden Situationen; das zunehmende Finden von Schuldigen für alles, womit derjenige selbst nicht klar kommt; das stärker werdende Bedürfnis nach Ablenkung, Rückzug und Ruhe. Aber auch freiwillige Veränderungen in der Lebensweise werden sichtbar, wie gesündere Essgewohnheiten, die die Nährstoffzufuhr balancieren; ausgelebter Bewegungsdrang, der den Körper im Fluß hält; Hinwendung zu Hobbys, die die Gehirnzellen beschäftigen; das Finden von Gleichgesinnten, die die eigene Weltsicht bestätigen.

Meiner Erfahrung nach sind diese Anzeichen alle schon lange sichtbar, bevor die typischen Anzeichen einer Demenz offensichtlich werden. Es ist, als würde derjenige intuitiv spüren, was mit ihm geschieht und den Weg in die Demenz nicht nur mit gutem Grund gehen, sondern auch mit dem Wissen um das, was ihm dabei hilft.

Als hochsensibler Mensch bist Du der beste Begleiter für einen Menschen mit Demenz, den man sich vorstellen kann: mit Deiner Wahrnehmung eröffnet sich Dir der Blick auf das große Ganze. Wo andere nur das Leid sehen, die Schwere und das Opfer, siehst Du auch die Liebe, die Leichtigkeit und die freie Wahl. Wenn Du Dich dann noch traust, Deine Wahrnehmungen im Umgang mit Deinem Elternteil auszudrücken und umzusetzen, dann kann dieser sich auf eine sehr wohltuende Weise respektiert und gewertschätzt fühlen – vielleicht zum ersten Mal in dessen Leben! Und Du gleich mit.

Die Nähe zwischen Dir und Deinen Eltern erfordert eine besondere Wachheit. Während Dein Elternteil im Verlauf der Demenz in die Gefühlswelt seiner Vergangenheit abtaucht und dadurch zu den Wurzeln seiner Traumatisierungen im Leben zurückkehrt, kann es Dir so vorkommen, als würdest Du einem fremden Menschen begegnen. Du erlebst nicht den Menschen, den Du kennst, sondern Du erlebst mit diesem Menschen die Umstände, die ihn zu dem Menschen gemacht haben, den Du kennst. Du bekommst durch die Auseinandersetzung damit die Chance zu verstehen, warum Dein Elternteil so ist, wie Du es erlebt hast. Gleichzeitig spürst Du aber auch am eigenen Leib, welche Folgen das für Dich hatte. Du kommst in Kontakt mit Deinen eigenen Traumatisierungen, ausgelöst durch die Traumatisierungen Deiner Eltern.

Als hochsensibler Mensch bist Du derjenige, der das alles gelassen und bewusst wahrnehmen kann – der sagen kann: und ich unterbreche jetzt diese Kette mit meiner Liebe. Wende Dich den Dingen, die da kommen zu, mit Deiner Liebe! Dadurch geschieht Heilung in solchen Dimensionen, die kaum vorstellbar sind. Es ist, als würde sich das ganze Familiensystem dadurch auf eine liebevolle Zukunft ausrichten, anstatt weiter in einer schmerzhaften Vergangenheit gefangen zu sein.

Derjenige, der durch die Demenz geht, gibt den gemeinsamen Weg vor. Du brauchst nur den Themen zu folgen, die sich offenbaren und sie integrieren. Integrieren kann dabei beides bedeuten: etwas aus Deinem Inneren entlassen und etwas außerhalb von Dir in Dein Inneres aufnehmen. Während Dein Elternteil mit Demenz die Themen in der äußeren Realität auslebt, verinnerlichst Du den Prozess. Dein Elternteil triggert Dich mit einem Thema, welches Du mit Hilfe Deiner Hochsensibilität vergeistigst und danach triggerfrei durch Dein bewusstes Verhalten an Deinen Elternteil zurück gibst.

Von Dir erfordert das die Hingabe an die beste Version Deiner selbst und ein Höchstmaß an Selbstliebe, Selbstfürsorge und vor allem Selbstreflexion. Deine Aufgabe ist das Beobachten, das Erkennen und das bewusste Handeln. Du ersetzt Ablehnung mit Liebe.

Es ist wichtig, dass Du Dir Freiraum für Dich schaffst, wenn die Umstände das verlangen. Es ist wichtig, dass Du eine passende Strategie zur Verarbeitung des Geschehens hast. Es ist wichtig, dass Du einen guten Grund hast, diesen Weg zusammen zu gehen.

Mir ist klar,
nichts bleibt, wie es war.
Vor dem Wandel mir bangt:
Hältst Du meine Hand?

Gedicht von Daniela Große

Wenn ein Elternteil in die Demenz geht, dann beginnt Heilung. Du hast die Chance, Deine eigenen Konditionierungen und Werte zu hinterfragen, wenn Du siehst, worauf sie beruhen. Du hast die Chance Deinen eigenen Lebensstil zu verändern, wenn Du mehr Ruhe, Gelassenheit und Akzeptanz im Umgang mit dem Geschehen zulässt. Du hast die Chance, Dich selbst und den anderen in einem neuen Licht zu sehen – in einem Licht der Liebe.

Inmitten einer im Chaos versinkenden Welt hast Du die Chance, ein neuer Mensch zu werden.

Herzliche Grüße,

Deine Daniela | Bewusstseinstraining von Daniela Große