Seelenbusiness und Familie: Herz-Dialoge

Seelenbusiness und Familie ist in Kurzform einer der Herz-Dialoge zum Aufwachen mit Daniela Große. Eine kostenfreie PDF-Version zum Ausdrucken auf A4 für Deinen Privatgebrauch gibt es auch: Herunterladen

 

Liebe R.,

ich habe das auch erlebt. Es gab eine Zeit, da war das Lesen meines Seelenbusiness-Blogs, den ich damals wie ein Tagebuch führte, die einzige Möglichkeit für meine Familie etwas über mich zu erfahren. Dass meine Mutter regelmäßig mitlas, weiß ich, weil sie mir ihre Kommentare dazu auf die Mailbox sprach (weil ich nicht mal ans Telefon ging). Das allein hat mich schon wahnsinnig wütend gemacht. Ganz zu schweigen von den guten Gründen, die ich hatte, mich von meiner Familie abzuwenden. Der Graben zwischen uns war tief und schien unüberwindbar.

Was mir persönlich Erlösung brachte, war diese Frage, die mir eine Freundin „zufällig“ stellte: Glaubst Du wirklich, dass Deine Eltern weniger große Seelen sind, als Du selbst? Das wirkte bis in die tiefsten Tiefen meines Seins. Und es wirkt noch heute, viele Jahre später. Über die Antwort auf diese geniale Frage musste ich nicht lange nachdenken, über die Bedeutung und die Konsequenzen der Antwort allerdings schon.

Wenn ich meine Eltern in ihrer ganzen Größe wahrnehme, dann sehe ich ihre ganze Schönheit. Ich sehe das, was ich möchte, dass sie in mir sehen: Potential, Einzigartigkeit, Kraft. Und ich sehe, was sie als Menschen daraus gemacht haben. Ich sehe mich. Die gleiche Angst, die gleiche Ohnmacht, die gleiche Verzweiflung angesichts des Unterschieds zwischen Wollen und Können. Und dann … dann kommt die Liebe. Eine tiefe Liebe, die unter allem Menschlichen liegt und uns verbindet, als drei Seelen die sich eines gemeinsamen Themas angenommen haben, das so „heiß“ ist, dass es einer allein nicht lange halten kann.

Drei, die Eins erlösen wollen. Ich, als Kind, bin die Liebe, in der sich das Beste der anderen Beiden zu etwas Neuem verbunden hat, um das Alte zu verwandeln. Das Neue in mir, das weg will von dem Alten in ihnen.

Also bin ich gegangen, weil ich auf der menschlichen Ebene Gründe genug dafür gefunden habe. Geblieben ist aber immer die Präsenz der Verbindung und die Sehnsucht nach der Liebe zu meinen Eltern. Das Neue in mir, das war ja einst das Neue in ihnen, das auch nur weg wollte von dem Alten in den Eltern meiner Eltern. Wir haben so viele Gemeinsamkeiten. Wir versuchen alle, den Ball im Spiel zu halten. Wir tun, jeder auf seine Weise, das Beste, was wir können, um als Gemeinschaft das Alte vom Neuen zu lösen und immer reiner und klarer in die Zukunft zu tragen.

Aus dieser Perspektive bekam all das, was auf menschlicher Ebene passiert ist, einen neuen Sinn für mich. Was für die Seelen eine Energie ist, wird für die Menschen zu Gegensätzen. Obwohl wir als Seelen so gleich schwingen können, können uns als Menschen Welten trennen. Je mehr wir als Menschen in die Gegensätze gehen, desto klarer wird die Energie für die Seelen. Je klarer die Energie für die Seelen, desto größer wird der Handlungsspielraum für die Menschen.

Heute kann ich wählen, wo ich Brücken der Verbindung zu meinen Eltern baue, um die Liebe fließen zu lassen, die ich für sie empfinde. Früher waren Gräben zwischen uns das einzige, was ich bauen konnte, um den Schmerz des Ungeliebtseins nicht fühlen zu müssen. Heute habe ich kein Bedürfnis mehr, die Gräben zu vergrößern, in dem ich Austausch, Verständnis oder gar die Bitte um Vergebung für Geschehenes von ihnen erwarte. Heute achte ich darauf Brücken zu bauen, in dem ich ihnen diese Dinge anbiete – da, wo ich es durch die Arbeit an mir selbst schon kann und auch nur da, wo es für mich stimmig ist.

Ich hasse meine Eltern noch immer für bestimmte Dinge, die mich persönlich verletzt haben und immer noch verletzen. Aber ich liebe sie auch für die Größe, es trotzdem zu tun. Ich kann den größeren Sinn dahinter sehen. Und der liegt nicht in den Tatsachen, sondern in der Wirkung. Der Wirkung für die Zukunft. Gegensätze, die lange genug von Generation zu Generation hin und her gespiegelt wurden, lösen sich irgendwann auf. Dann kommt die Liebe viel stärker als vorher wieder zum Vorschein und das Drama stirbt. Ich gönne es mir, die unbelastete seelische Verbindung zu meinen Eltern in Liebe zu spüren. Kein Mensch kann mehr geben, als er gibt und was wir geben, ist auch genug. Denn erst zu einem Ganzen zusammen gesetzt, ergibt das, was jeder Einzelne von uns als Mensch erfahren hat, auf der Ebene der Seelen einen Sinn.

Für mich als Mensch heißt das einfach, ich darf so sein, wie ich bin. Meine Eltern dürfen so sein, wie sie sind. Es ist nicht notwendig, auf der menschlichen Ebene eine Einigkeit herzustellen, die jetzt vielleicht noch gar nicht herstellbar ist. Aber alle Schritte dahin, sind es Wert gegangen zu werden und ich entscheide, wie sie aussehen können – im Wissen, dass die Einigkeit auf der Seelenebene durch die Verbindung all unserer Gegensätze immer schon vorhanden ist. Alles darf. Nichts muß. Aber jeder kann. So, wie es für ihn richtig ist.

Herzliche Grüße,

Seelenbusiness und Familie | Herz-Dialoge von Daniela Große